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Neonazis im Ökowahlkampf

Ortstermin in Mecklenburg-Vorpommern: Der Heimatboden glüht in sattem Braun, gerahmt von mächtigen Eichen. Die Sonne wirft ihr gleißendes Licht hinab aus einem stahlblauen Himmel, wie es ihn nur jetzt im Frühjahr gibt. Bald schon werden hier goldene Ähren im frischen Wind rauschen und die Obstbäume Früchte tragen. Kinder mit unverstelltem Lachen und geflochtenen Zöpfen wachsen hier wie zu Großmutters Zeiten in Blut- und Boden-Haltung auf. Auf dem Feld prangt ein ausgestopfter Ausländer, der seine Wirkung nicht verfehlt: Die Vögel nehmen Reißaus vor ihm.

Es ist die perfekte Landidylle, nach der sich Städter heimlich sehnen – bis auf ein verstörendes Detail: Die freundlichen Bio-Landwirte sind in Wahrheit treue Parteisoldaten der rechtsextremen NPD. Gut versteckt vor den Augen der Öffentlichkeit arbeiten sie hier seit Jahren an der Umsetzung eines perfiden Plans. Durch braune Bio-Produkte aus nachhaltigem Anbau soll der Markenkern der Grünen vollständig besetzt werden.

Berlin – Prenzlauer Berg. Vielen Großstadt-Grünen vergeht dieser Tage die Lust am Sushi. Denn seitdem in mehr und mehr Trend-Locations plötzlich der braune Erfrischungshit „Bionazi“ Limonade gereicht wird, dämmert der geschlechtergerechten iBohème, dass die NPD mit ihrer Operation „Erntedank“ kaum mehr aufzuhalten ist. Entsprechend gereizt ist die Stimmung auf der Straße: „Wenn ich sehe, wie einer in Mecklenburg Kohlrabi ohne Dünger anbaut, geht mir echt das Messer in der Tasche auf!“, erfahren wir von einer in Filz gekleideten Galeristin, die vor Erregung ihre Pho-Suppe verschüttet. „Scheiße!“, gibt sie uns mit auf den Weg.

Derweilen kann die mecklenburgische NPD ihre Schadenfreude über den Hauptstadt-Ärger kaum verbergen. „Ich kann die ganze Aufregung um unser ökologisches Engagement nicht nachvollziehen“, bellt Udo Pastörs. „Immerhin wäre es die Aufgabe der Grünen gewesen, den ländlichen Raum so zu besetzen, dass wir uns hier nicht profilieren können. Da es aber für die meisten Anhänger dieser Spaßpartei nicht in Frage kommt, sich die Hände bei harter Landarbeit schmutzig zu machen, waren wir eben schneller. Ätsch!“



Ach du Scheiße!

 

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